Freitag, 18. November im Bundeshaus: die Balzan Preise werden verliehen. Eine stattliche Summe von 750’000 Franken pro Preisträger. Es ist begrüssenswert, die Geisteswissenschaften und die Naturwissenschaften gleichzeitig zu ehren. Interessantes ist auch das Konzept mit jährlich ändernden Preiskategorien. Also eigentlich ein toller Preis zur Förderung der Wissenschaften.
Wieso bei der Preisverleihung nicht die Gelegenheit beim Schopf gepackt wird und mehr über die Wissenschaft gesprochen wird, bleibt mir ein Rätsel. Präsidenten der Stiftungskomitees verbringen die meiste Zeit damit, die Botschafter und Ex-Bundesräte zu begrüssen und ihre eigene Stiftung in den Himmel zu heben. Unser Innenminister Burkhalter erhält eine gefühlte halbe Stunde, um über die liberale und aufgeklärte Politik (immerhin eine kleine Brücke zu einem der Preisträger) zu labern. Derweil müssen die Preisträger schön artig ins Publikum lächeln und kriegen dann einen kurzen Moment, bei dem sie dann mehr danken und ehren, anstatt über ihre Entdeckungen und Erfindungen zu sprechen.
Selbst wenn man auf die Website der Balzan Stiftung geht, findet man kaum Informationen über die eigentlichen wissenschaftlichen Errungenschaften. Man kann dann höchstens über den Preis für
“theoretische Biologie oder Bioinformatik”
lesen, dass er
“für wegweisende Beiträge zur Entwicklung und Anwendung der theoretischen Populationsbiologie einschliesslich neuerer Entwicklungen in der Theorie der quantitativen Genetik und dem Studium der stochastischen Populationsdynamik”
vergeben wurde. Was Russell Lande konkret gemacht haben soll, versteht nicht einmal ein durchschnittlicher Biologiestudent. Dabei wurden seine theoretischen Betrachtungen ganz praktisch für den Artenschutz eingesetzt.
Wirklich schade, dass solche Chancen zur Popularisierung der Wissenschaften einfach so verstreichen.



Im Laufe der Jahre (und Jahrzehnte) durfte ich immer wieder und wiederholt zur Kenntnis nehmen, dass Preise und ihre Verleihungszeremonien nicht eigentlich den Geehrten gelten, sondern hauptsächlich der eigennützigen Selbstdarstellung der Auszeichnenden und ihrer umfangreichen, (pseudo-)prominenten und meistens gut situierten Entourage dienen. Das gilt besonders für den akademischen Betrieb, dessen fachliche Inhalte für Normalsterbliche ja kaum verständlich sind. Deshalb bekommt das gesellschaftliche, oft manierierte Protokoll dieser Elfenbeinturm-Events eine derart überproportionale Wichtigkeit.