Die Wissenschaft hat eine Währung, den Impact Factor, kurz IF. Wissenschafter sammeln sie eifrig, müssen sie sammeln, denn das IF-Konto kann entscheidend sein für den Erhalt einer Professor oder eines Förderbeitrages. Dies geht so: Für jedes Journal (eigentlich nur einer Minderheit, etwa 9000) errechnet Thomson Scientific jährlich einen Impact Factor – eine einfache Zahl, welche die durchschnittliche Anzahl Zitate auf die im Journal publizierten Artikel wiedergibt. „Nature“ hatte 2003 30.98, „Science“ 29,78, usw. Zahlen sind herrlich. Man kann mit ihnen alles berechnen, etwa den Wert eines Wissenschafters (Summe von Anzahl Artikel je Journal mal IF). Oder auch den einer Institution. Kein Wunder also ist der IF bei Forschungsbewertern beliebt, wenn auch nicht ganz in der banalen Form angewendet wie hier dargestellt. So lässt sich denn die Währung weltweit in Posten, Geld und Prestige einwechseln. Die Frage ist nur: Was sagt der Impact Factor wirklich über die Bedeutung eines Journals aus, was über den Wert eines Wissenschafters und was über die Qualität eines Papers?
Kritisiert wird der IF seit langem. So haben Journals in kleineren Fachgebieten logischerweise tendenziell einen tieferen IF. Bedenkt man nun, dass zwei Journals selten genau das gleiche Fachgebiet abdecken, wird klar, dass der IF für jedwelche Vergleiche nur bedingt taugt. Trotz all der Kritik und vielen Vorschlägen bleibt der IF vorherrschend. Die Public Library of Science (PLoS) mit ihren 7 Journals wagt nun einen neuen Anlauf. Sie setzt ganz aufs Web2.0. Zudem soll nicht mehr nur der Impact, also die Bedeutung, die Wirkung, eines Journals bestimmt werden, sondern die jedes Artikels separat. Die PLoS-Manager gehen davon aus, dass Wissenschafter heute nicht mehr einfach bestimmte Journale durchblättern, sondern per Internet gezielt nach Paper in ihrem Themenkreis suchen – und dann wissen wollen, welche Bedeutung diese Arbeit hat.
Der Anfang des „Impact Factors 2.0“ ist noch etwas bescheiden. Schon seit März findet man bei allen PLoS-Artikeln folgende Angaben: Anzahl Zitierungen in „PubMed Central“ und „Scopus“, Anzahl Blogartikel in den Blogaggregatoren „Postgenomics“, „Nature Blogs“ und „Bloglines“, Anzahl Listungen in den wissenschaftlichen Social Bookmarking sites CiteULike und Connotea, Anzahl Trackbacks, Anzahl Kommentare und Star-Ratings. Dies sieht so aus.
Noch dieses Jahr soll es weitergehen, wie Peter Binfield, Managing Editor von PLoS ONE, schreibt. So sollen nächstens Nutzungsdaten (nach COUNTER-Standard) dazukommen. Auch Experten-Evaluationen gemäss der „Faculty of 1000“ sollen einfliessen. Das System lässt sich beliebig ausbauen; die Werte lassen sich irgendwie zu einer Zahl verrechnen. Das alles hat PLoS vor. Ein Problem aber bleibt: Geld erhält seinen Wert nur durch das Vertrauen der anderen. Genauso wird der IF2.0 nur Wirkung entfalten, wenn viele Journals die gleichen Messungen vornehmen und die Forschungsbewerter diese Messungen beachten.
Die PLoS-Manager werden deshalb nicht müde zu betonen, dass sie hier nur einen Anfang machen und sich gerne einem Standard beugen würden. Dieser müsste aber von der Wissenschaft selbst vorgeschlagen und angewendet werden, schreibt Binfield. Es liegt nun also an den Wissenschaftern, an den Akademien, Universitäten und Forschungsförderen, ob sie den Lästling IF endlich loswerden bzw. ergänzen wollen. Zeit wäre es – der IF ist immerhin rund 50 Jahre alt.

