Der ETH-Rat musste an seiner letzten Sitzung – wohl etwas widerwillig – im Auftrag von Bundesrat Pascal Couchepin prüfen, ob die Hochschulen und Forschungsanstalten des ETH-Bereichs nicht gleich heissen sollten. Wie erwarten, spricht sich der ETH-Rat dagegen aus – aus der Medienmitteilung vom 10. Juli:
„Der ETH-Rat ist der Ansicht, dass die bestehenden Namen und «Brands» der zwei Hochschulen sowie der vier Forschungsanstalten bestehen und im Vordergrund bleiben müssen. Sie bilden einen wichtigen, national und international anerkannten Wert.“
Ich habe daraufhin Freunde – fachfremd, aber studiert – gefragt, was beispielsweise das Paul-Scherrer-Institut mache. Antwort: „Keine Ahnung! Ist das nicht privat?“ „Und gehört das Friedrich-Miescher-Institut auch zur ETH?“ Sind PSI, WSL, EAWAG und EMPA wirklich so gut verankert? International sind sie sowieso nur einem Fachpublikum bekannt.
Weiter aus der Medienmitteilung:
„Gleichzeitig hält der ETH-Rat eine gezielte Verstärkung des gemeinsamen Auftritts für richtig. Diese Stärkung hat weder das Ziel noch ist sie die Folge einer Veränderung der rechtlichen Struktur des ETH-Bereichs und seiner Institutionen. Eine Fusion von Institutionen des ETH-Bereichs stand und steht nicht zur Debatte. Der ETH-Rat möchte aber den schweizerischen Charakter der sechs Institutionen und ihre gemeinsame Zugehörigkeit zum ETH-Bereich stärker zum Ausdruck bringen und wird entsprechende Varianten entwickeln und evaluieren.“
Den schweizerischen Charakter stärker zum Ausdruck bringen? Ich hoffe, der Pressesprecher (ihnen gibt man ja gerne die Schuld…) hat da einfach etwas unglücklich formuliert. Nun darf im internationalen Branding durchaus klarer herauskommen, dass diese Forschungseinrichtungen auf Schweizer Grund und Boden stehen. Aber der Charakter, oder besser gesagt die Kultur, sollte nicht national verhaftet sein, möchte man internationale Forscher anziehen. Das beginnt mit der Sprache: An der Uni Berkeley etwa kann man das erste Jahr einiger Ingenieursdisziplinen auf Mandarin absolvieren. Und in der Schweiz haben Gewisse schon Probleme, wenn die Professoren aus Deutschland kommen.
Im Grundsatz ist mir der Entscheid des ETH-Rates dennoch sympathisch. Schliesslich sollten die Namen von Forschungseinrichtungen nicht nur fürs internationale Branding gewählt werden. Auch die Wirkung im Inland ist wichtig. So können verschiedene Namen eine Vielfalt zum Ausdruck bringen, ein Reichtum der hiesigen Forschungslandschaft. Dies schliesst ein gemeinsames Label und Vorgehen im internationalen Branding nicht aus – nicht nur der ETH-Institute, sondern auch der Unis. Analog zu „University of California…“ könnte man allen ein „University of Switzerland…“ voran stellen. Und mit swissnex hat man auch schon das nötige Netzwerk für die Promotion. Ein gemeinsamer Auftritt im Ausland ist dringend nötig. Als ich vor zwei Jahren in Kalifornien war, begann ich mit der Zeit Naturwissenschafter systematisch zu fragen, ob sie die ETH kennen. Positiv ausgedrückt: Einige kannten sie schon.
Ein Anfang dazu ist die Website der Hochschulrektoren-Konferenz swissuniversity.ch. Sie gibt einen guten Überblick, ist aber leider völlig statisch. Oder anders gesagt: Hat sich ein Wissenschafter entschieden, in die Schweiz zu kommen, erfährt er auf der Website viel Nützliches. Die Seite motiviert aber niemanden zu diesem Schritt. Dazu müsste man etwa zeigen, wieviel Forschung hier betrieben wird. Ich frage mich , weshalb nicht alle Forschungsmedienmitteilungen der EHTs und Unis konsequent auf englisch übersetzt und auf dieser Seite publiziert werden. Teuer wäre das nicht.


Bei diesen Diskussionen geht gerne vergessen, dass die meisten Schweizer Universitaeten in gewissen Bereichen Spitzenforschung betreiben. Anstelle gegeneinander anzutreten. sollten sich diese Institute mehr spezialisieren, damit dadurch der Name gross in die Welt hinaus getragen werden kann, oder aber die Zusammenarbeit foerdern. Wesshalb soll im Bereich der Solarforschung nicht einfach die Universitaet Neuchatel weltweit genannt werden oder fuer gewiesse Biologische Forschung nicht das Friedrich-Miescher Institut oder das IRB im Tessin. Wichtig aber, und da stimme ich mit dir ueberrein, ist die Foerderung des Forschungsplatzes Schweiz insgesammt. Da waere es schon hilfreich, gemeinsam eine Zeitschrift herauszubringen, die woechentlich die aufregensten Forschungsresultate, die spannendsten Forschungsplaetze, die Vielfalt der Forschung und die einzelnen Wissenschaftler vorstellt. Hinzu kommt noch, dass die Schweizer Forschung auch zusammen mit der Industrie vorangetrieben wird. Auch diese Verbindung sollte vielmehr gestaerkt werden. Wesshalb wird Novartis nicht zusammen mit dem Tropeninstitut genannt, oder Roche zusammen mit der ETH. So wuerde der Forschungsplatz Schweiz in der Welt die Attraktivitaet verdienen, die er wirklich verdient. Kurz, Im Miteinander und nicht im Gegeneinander sind wir stark.
Ach ja, und noch was. Frag deine Freunde mal, ob sie das Scripps, das CRG Barcelona, das IMBT Graz, Forschungszentrum Julich oder das CPR Kopenhagen kennen. Mit anderen Worten, spezialisierte Institute sind meist nur den entsprechenden Wissenschaftlern bekannt.
@Adrian: Ich habe Biochemiker gefragt, ob sie die ETHZ kennen. Da kann man ja nicht sagen, dass ihre Spezialisierung daneben lag. Du hast sicher recht, dass Schweizer Unis top sind. Aus Marketingsicht ist das ideal, weil man nicht virtuell einen Wert kreieren, sondern nur das Vorhandene gut vermitteln muss. Da läge noch viel drin und mit den swissnex-Vertretungen hätte man auch schon ein weltweites Netz, um Kontakte zu pflegen und die Meldungen zu verbreiten.
@ Marcel: swissnex mag ein gutes Beispiel sein, wie sich ein Land um wissenschaftliche Kontakte im Ausland kuemmert. Jedoch werden dabei all die Schweizer Wissenschaftler, die im Ausland beschaeftigt sind, nicht einbezogen. So bin ich einer von drei bis vier Schweizern am Weizmann Institute of Science und habe nur per Zufall durch dich von swissnex erfahren. Waehrend sich die Japanische Botschaft regelmaessig mit meinem Japanischen Kollegen in Verbindung setzt und so Kontakte knuepft, habe ich von der Schweizer Botschaft noch nie was gehoert, ganz zu Schweigen von swissnex. Klar, ich habe keine Ahnung, wie swissnex funktioniert, aber wenn von all meinen Kollegen, die im Ausland an Spitzenuniversitaeten arbeiten, den Namen swissnex noch nie gehoert haben, dann laesst hinterlaess dies schon Fragen. Es mag ja sein, dass swissnex ein eigenes Kontaktnetzwerk aufbaut, aber wichtigen Kontakte fuer grosse Projekte, so meine Erfahrung, bestehen immer zwischen dein Wissenschaftlern selbst. Vielleicht kannst du mir jedoch die Strategy von swissnex naeherbringen.