Einen interessanten Ansatz zur nanotechnologischen Therapie hat Patrick Couvreur von der Universität Paris-Süd und seine Gruppe entwickelt. „Nano-Carrier haben heute vor allem zwei Probleme. Wenn wir sagen, wir packen ein Medikament in einen Carrier, ist das nicht ganz richtig, weil immer ein Teil auf der Oberfläche des Carriers sitzt. Diese Medikamente werden unspezifisch freigesetzt. Zudem schaffen wir kaum mehr als 5% „Ladung“ pro Carrier. Wir brauchen also viel Carrier-Material, was problematisch sein kann“, führt Couvreur aus. Deshalb hat seine Gruppe den Ansatz mit dem unmerkbaren Namen „Squalenoylation“ entwickelt.
Die Forscher koppeln dabei die Wirkstoffe an Squalen, ein natürliches Lipid. In Wasser bilden sich daraus spontan Nanopartikel mit dem Squalen aussen und dem Wirkstoff innen. „Dadurch erreichen wir 50% Ladung“, sagt Couvreur. Im Blut seien diese Nanocarrier sehr stabil und der Wirkstoff wird erst in Zellen freigesetzt, wenn das Enzym Cathepsin B die Bindung spaltet. Da das Enzym in Krebszellen besonders häufig vorkommt, wird da viel Wirkstoff freigesetzt.
Konkret arbeitet das Team mit Nukleosid-Analoga als Wirkstoffe (das System funktioniert wohl nicht mit allen Wirkstoffklassen): mit dem Krebsmittel Gemcitabin und dem Aidsmittel ddI. Gemcitabin gekoppelt an Squalen zeigte sich in Tierversuchen als äusserst effektiv bei bei aggressiver Leukämie. Konnte Gemcitabin alleine die Lebenszeit zwar verdoppeln, aber kein Tier heilen, so gelang das bei Gabe des Nanocarriers bei 75% der Tiere. Überraschenderweise konnten auch Gemcitabin-resistente Krebszellen von den Nanocarriern getilgt werden. Als Gründe sehen die Forscher einen Schutz des Wirkstoffes vor Deaminasen und eine bessere Phosphorylierung des Wirkstoffes in der Zelle. Auch der ddI-Nanocarrier wirkte gut und konnte mit HIV-infizierte Lymphozyten tilgen. Und wieder gelang dies genauso bei ddI-resistenten Stämmen.

