Auf niemand mehr ist Verlass, nicht einmal mehr auf die soliden Fachjournale mit ihren hohen Impact-Faktoren. Da kam doch eben eine Ankündigung vom britischen «Nature», das auf eine Publikation zum Thema CO2-Entsorgung hinwies, konkret auf eine Studie, die untersuchte, ob das Treibhausgas sicher im Untergrund gelagert werden könnte. Ein wichtiges Thema, denn es geht darum, wie wir die rasch steigenden Treibhausgas-Konzentrationen in den Griff kriegen könnten. Das hochangesehene «Nature» nun kündete die Arbeit in zweifacher Weise an: Mit einem Teaser – oder Vorschmecker – und einer PR-Mitteilung der beteiligten Institute. Während der Teaser einigermassen differenziert auf die gelinde gesagt zwiespältigen Ergebnisse hinwies und deutlich machte, dass CO2 zwar sicher gelagert werden könnte aber in das Meerwasser gelöst wird und so wieder in die Atmosphäre entweichen könnte, vermittelte der PR-Text den Eindruck, das CO2 liesse sich auf diese Weise aus der Welt schaffen. Prompt doppelten dann die Nachrichten-Agenturen mit der guten Meldung nach, Kohlendioxid lasse sich im Untergrund entsorgen. Auch hier gilt halt, dass man das Kleingedruckte lesen sollte. Der Inhalt der PR-Mitteilung sei in eigener Verantwortung geschrieben worden, hiess es in dem Nature-Mail irgendwo, das einem Warnung genug sein sollte. Aber wieso «Nature» sich auf solche Spielchen einlässt, wundert einen schon. Und zeigt einmal mehr: Man muss sich in die Materie vertiefen, um die Sachverhalte adäquat beschreiben zu können, nur – wer hat die Zeit dazu, für solche Mühen?
Apr 9th, 2009 by Stefan Stöcklin | 2 Comments »
- helenmoor bei Obama fragt die Welt: Was sind die grossen Forschungsthemen?
- HKR bei Café Scientifique Basel: Die Musik – ein emotionales Thema
- admin bei Forschende wehren sich gegen Deutschen-Hetze der SVP – jetzt auch per Blog
- admin bei IPCC – bleib so wie du bist!
- Adrian, der andere :) bei Forschende wehren sich gegen Deutschen-Hetze der SVP – jetzt auch per Blog
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verstaut.
Da muss ja etwas ziemlich schief gelaufen sein. Normalerweise wollen nämlich die Topjournals selbst über den Inhalt der Mitteilungen wachen und entscheiden. Dies ist jedenfalls meine Erfahrung. Im Normalfall wollen die Journals die Geschichte selbst ausschlachten und die Institute dürfen zwar auch ihre Mitteilungen versenden, aber nur nach der Mitteilung des Journals. Was wird der Grund sein, dass Nature hier anders verfahren ist? Wurde das PR-Budget zusammengestrichen? Vielleicht haben andere Leser andere Erfahrungen mit Topjournals…
Ich vermute (!), dass «Nature» unbedingt die massgeblich von britischen Wissenschaftern durchgeführte Studie publizieren wollte und sich auf diesen Deal einlassen musste.