Donald Tomalia von der Central Michigan University: „Um es kurz zu machen. Wir stehen vor einem Nanomysterium. Als wir versuchten, entzündungshemmende Medikamente in Nanocontainer zu packen, merkten wir, dass die leeren Container effektiver waren als die Medikamente selber.“ Mit Dendrimeren können wir zwiebelartige Nanocontainer beliebiger Grössen bauen. So genannte PAMAM Dendrimere selbst erwiesen sich als gute Entzündungshemmer.
Esther Chang von der Georgetown University Medical Center: Wir interessierten uns für die Resistenz von Tumoren gegenüber Chemotherapien und versuchen deshalb p53 Gentherapien. Damit sollen konventionelle Krebstherapien effektiver werden. Wir nutzten etwa 100 Nanometer grosse Liposomen, gefüllt mit si-RNA, mit einem Peilmolekül für Tumorgewebe. Das Anpeilen funktioniert und die Liposomen gehen durch die Blut-Hirn-Schranke. Mäuse konnten so von grossen Tumoren auf dem Rücken komplett geheilt werden. Zur Zeit laufen klinische Phase I Studien mit Patienten mit festen Tumoren. Die Tests zeigen, dass die Anwendung sicher ist und es scheint, dass die Tumoren effektiv reduziert werden. Si-RNA sind die Moleküle der Dekade, aber sie werden nur in die Klinik Einzug halten, wenn sie richtig transportiert werden!
Die Amsterdamer Firma Enceladus Pharmaceuticals entwickelt Liposomen, die in entzündeten Gelenken enden und da einen Wirkstoff abgeben sollen. Das Produkt heisst Nanocort. Der CEO Josbert Metselaar stellt erste klinische Resultate mit Patienten mit rheumatischer Arthritis vor. Im Vergleich zur reinen Gabe des Wirkstoffes, bleiben die Liposomen viel länger in weitaus höheren Dosen im Blut. Obwohl die Patientengruppe klein war, scheinen die Liposomen doch die Entzündung der Gelenke zu einem gewissen Grad abklingen lassen und dies besser und schneller, als wenn die Medikamente ohne Liposomen abgegeben werden.
Die Gruppe von Gerd Pluschke vom Schweizerischen Tropeninstitut sucht nach einer Impfung gegen Malaria. Bislang gebe es keine einzige Impfung gegen Parasiten beim Menschen, sagt Pluschke. Nanopartikel könnten da Abhilfe schaffen, weil das Immunsystem nicht nur Teile des Parasiten sieht, sondern die Vehikel als Ganzes. Die Gruppe arbeitet mit vorab entleerten Virenhüllen bestückt mit Proteinen, die jenen des Parasiten ähneln. Virenhüllen sind bedeutend bessere Immunstimulatoren als Liposomen. Klinische Phase I Studien zeigen eine gute Sicherheit und in allen Probanden entwickelte das Immunsystem Antikörper. Wie effektiv aber ist der Impfstoff wirklich? Soweit ist die Gruppe noch nicht. Zur Zeit entwickelt die Gruppe das Nanotool weiter und baut weitere Proteine des Parasiten ein.


Danke für den blog! Wenn man schon nicht live dabei sein kann…
Schon erstaunlich: Chang publizierte schon 1999 (ausgezeichnete) Resultate mit liposomalem p53 in Kopf/Halskrebs (Hum Gene Ther. 1999 Dec 10;10(18):2941-52). Es brauchte 10 Jahre (!), um in Phase I zu gehen…