Ungelöste Probleme in Erwartung einer nanomedizinischen Lösung – 2. Teil: Nanotechnologie ist eine wahrlich interdisziplinäre Aufgabe. Die Kliniker sind deshalb angehalten, die Grundlagen ihres Gebietes zu erklären und etwas Werbung zu machen, um das Interesse der Grundlagenforscher zu wecken – mein Gebiet ist wichtig! Der Orthopäde Enrique Gomez-Barrena von der Autonomen Universität Madrid machte klar, dass jeder zweite irgendwann ein Muskel- oder Skelettleiden hat und dies die Lebensqualität stark beeinträchtigt. Sepsis ist ein Serienmörder, stand auf dem Slide von Payen de la Garanderie vom Hospital Lariboisière in Paris. Besonders eindrücklich löste die Aufgabe John Pickup vom Kings College in London: „Seit ich das letzte Mal zu Ihnen sprach, vor einem Jahr, wurde bei 7 Millionen Menschen Diabetes entdeckt“. Und er schloss mit: „In den 10 Minuten meines Talks sind wieder 100 Personen erkrankt.“
Gomez-Barrena sieht viele Möglichkeiten für die Nanotechnologie: beim Züchten von Ersatzknochen, zur Verbesserung des Kontaktes zwischen Implantat und Gewebe, zur Reduktion von Infektionen bei Implantaten, um die Regeneration von Knochen anzukurbeln und andere. Pickup fokussierte auf das konstante Glukosemonitoring in Diabetikern: „Hohe Glukosewerte führen zu Organschäden. Messen Diabetiker aber nur 3- oder 4-mal am Tag ihren Glukosewert, verpassen sie gefährliche Peaks in ihrer Glukosekurve.“ Heutige Systeme zur konstanten Glukosemessung seien nicht ausgereift und zu invasiv, findet Pickup. Er forscht deshalb an Methoden, um mit Infrarot-Fluoreszenz-Messung ein nicht-invasives, konstantes Glukosemonitoring zu entwickeln. Um im Chaos eines menschlichen Gewebes ein präzises Signal zu erhalten, achten sie nicht auf die Wellenlänge der Fluoreszenz, sondern auf die Dauer. Trotz erster Erfolge in vitro: „Da gibt es noch viel zu tun“, fordert Pickup seine Kollegen auf.
Payen de la Garanderie hat folgende Wunschliste: Entzündungen als Folge von Infektionen rascher erkennen, prognostische Biomarker rasch identifizieren, Ansprechen auf Medikamente und Medikamentenunverträglichkeiten vorhersagen. „Wir müssen bei Sepsis-Patienten sehr rasche Entscheide treffen und sollten deshalb möglichst rasch wissen, bei wem Organversagen droht, wer welche Medikamente verträgt und so weiter“, sagt Payen de la Garanderie.

