Seit 2002 hat das WHO erkannt, dass hormonaktive Substanzen viele Auswirkungen haben und das Schweizer NFP 50 hat diese bestätigt (Zunahme von Brustkrebs, Verschiebung des Geschlechterverhältnisses von Neugeborenen, Abnahme der Spermienqualität, Zunahme von Hodenkrebs, Zunahme von Prostatakrebs, Zunahme von Hodenhochstand und Fehlbildungen der Harnröhre, Verhaltensveränderungen bei Neugeborenen und Kindern, verfrühte Pubertät).
“In der EU werden” gemäss dem aufschlussreichen BAG-Papier vom Juni 2008 künftig “solche Stoffe erst nach einer Risikoevaluation und einer Beurteilung der sozioökonomischen Vorteile in Verkehr gebracht werden können. Die Kommission wird über Zulassung und Beschränkung entscheiden. Inwieweit eine analoge Regulierung in die Schweizer Gesetzgebung aufgenommen wird, ist zurzeit noch nicht entschieden.” Nun wird da auf die Zusammenarbeit mit den USA hingewiesen. Tatsächlich hat die EPA (U.S. Environmental Protection Agency) seit längerem ein Programm (Endocrine Disruptor Screening Program) am Laufen, um die hormonaktiven Substanzen zu ermitteln.
Wie geht man da vor? Es ist eine neue Herausforderung. Bösartig formuliert könnte man meinen, die Hersteller hätten eher Interesse, die Liste der Chemikalien klein zu halten. Wie würde man so etwas anstellen? Man nehme eine spezielle Albino-Züchtung von Ratten aus dem Jahr 1946, die damals eine Arsenverbindung und inzwischen erwiesenermassen auch viele andere der zu testenden Chemikalien unbeschadet übersteht [Snell 22.1.09]. Oder auf die Forschergemeinde hoffend denkt man sich in die Behörde ein und erfährt: Selbst eine EPA-Mitarbeiterin, die aufgrund ihres Laboratoriums von all den nötigen Experimenten profitieren wird, meint, dass diese Ratte -die man tatsächlich seit Jahren fast ausnahmslos für die Ermittlung eingesetzt hatte-nicht unbedingt die beste Wahl ist, aber sie ist eben sehr fertil – eben so sehr, dass viele Chemikalien, die dem Menschen schaden, dadurch übersehen werden. Ihre noch unbeantwortete Frage lautet: wie soll man denn sonst diese zehntausende von Chemikalien testen, wenn es nicht jeweils einige Nachkommen gibt? Die Arbeiten wurden nun auf Anfangs 2009 verschoben- hoffen wir, um die Anlage der Experimente (u.a. andere Rattenstämme) in den USA zu verbessern, keine Chemikalien zu verpassen, und vor allem die nötigen Konsequenzen zu ziehen!
[WHO Def.: "Eine hormonaktive Substanz ist eine von aussen zugeführte Substanz oder Mischung, welche die Funktion des Hormonsystems verändert und dadurch zu nachteiligen Wirkungen auf die Gesundheit eines intakten Organismus, seiner Nachkommen oder von (Sub)populationen führt. ].

