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	<title>Kommentare zu: Nicht jedes Sprichwort ist auch wahr. Heute: Wes Brot ich ess&#8230;</title>
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	<description>Wissenschaft gehört diskutiert!</description>
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		<title>Von: Martin Hicklin</title>
		<link>http://www.sciencesofa.info/2008/12/ein-altes-lied-wes-brot-ich-ess/comment-page-1/#comment-122</link>
		<dc:creator>Martin Hicklin</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2008 18:52:57 +0000</pubDate>
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		<description>Es emofiehlt sich sicher, skeptisch zu sein und die meist als Fortschritt für den Patienten (und immer auch die Patientin) gepriesenen Studienergebnisse mit Vorsicht anzupacken. Schaut man genau hin, ist oft der Fort-Schritt nur ein kleiner, aber das kann für eine Zulassung schon genügen. Das Problem mit den vielen Expert(inn)en ist, dass Leute, die wirklich in einem Gebiet wie Bluthochdruck, Krebs oder Multiple Sklerose mit guten Gründen fachlich etabliert und gut vernetzt sind, immer auch von den Firmen als Consultants gefragt sind und oft entweder zumindest Speakers fees oder feste Entschädigungen erhalten. Das muss noch nicht unbedingt heissen, dass diese Damen und Herren deswegen nur ihres Meisters Lob singen. Möglicherweise verhindern sie schon im vorneherein, dass unergiebige und etwa für die Teilnehmenden klinischer Versuche schädliche Trials gar nicht stattfinden. Aber was ist die Alternative?
Wer nicht viel von der Sache versteht, wird schon deswegen &quot;unabhängig&quot; bleiben, weil niemand  auf die Idee kommt, ihm oder ihr überhaupt irgendwelche bezahlte Aufgaben anzudienen. Ein Panel aus Ignoti kann ja auch nicht der Weisheit letzter Scluss sein, obwohl das eine zumindest scheinbar urdemokratische Form ist.
Immerhin sind heute die Affiliationen öffentlich(er). Manche Journals verlangen und publizieren die Statements  über finanzielle Interessen und erhaltene Zahlungen. Das kann dann ja immerhin nachgeprüft werden. Vor jedem Bias schützt das nicht, aber das Fragezeichen hängt da immer drüber. Irgendwie am liebsten sind mir dann jene Expert(inn)en, die mehreren, unter sich konkurrierenden Herren/Damen dienen. Aber wirklich glücklich kann man halt auch damit nicht werden. Neu im Gegensatz zu früher gibt es wenigstens die Blogs, die gern früh Laut geben, wenn eine Sache stinkt.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Es emofiehlt sich sicher, skeptisch zu sein und die meist als Fortschritt für den Patienten (und immer auch die Patientin) gepriesenen Studienergebnisse mit Vorsicht anzupacken. Schaut man genau hin, ist oft der Fort-Schritt nur ein kleiner, aber das kann für eine Zulassung schon genügen. Das Problem mit den vielen Expert(inn)en ist, dass Leute, die wirklich in einem Gebiet wie Bluthochdruck, Krebs oder Multiple Sklerose mit guten Gründen fachlich etabliert und gut vernetzt sind, immer auch von den Firmen als Consultants gefragt sind und oft entweder zumindest Speakers fees oder feste Entschädigungen erhalten. Das muss noch nicht unbedingt heissen, dass diese Damen und Herren deswegen nur ihres Meisters Lob singen. Möglicherweise verhindern sie schon im vorneherein, dass unergiebige und etwa für die Teilnehmenden klinischer Versuche schädliche Trials gar nicht stattfinden. Aber was ist die Alternative?<br />
Wer nicht viel von der Sache versteht, wird schon deswegen &#8220;unabhängig&#8221; bleiben, weil niemand  auf die Idee kommt, ihm oder ihr überhaupt irgendwelche bezahlte Aufgaben anzudienen. Ein Panel aus Ignoti kann ja auch nicht der Weisheit letzter Scluss sein, obwohl das eine zumindest scheinbar urdemokratische Form ist.<br />
Immerhin sind heute die Affiliationen öffentlich(er). Manche Journals verlangen und publizieren die Statements  über finanzielle Interessen und erhaltene Zahlungen. Das kann dann ja immerhin nachgeprüft werden. Vor jedem Bias schützt das nicht, aber das Fragezeichen hängt da immer drüber. Irgendwie am liebsten sind mir dann jene Expert(inn)en, die mehreren, unter sich konkurrierenden Herren/Damen dienen. Aber wirklich glücklich kann man halt auch damit nicht werden. Neu im Gegensatz zu früher gibt es wenigstens die Blogs, die gern früh Laut geben, wenn eine Sache stinkt.</p>
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		<title>Von: Marcel Hänggi</title>
		<link>http://www.sciencesofa.info/2008/12/ein-altes-lied-wes-brot-ich-ess/comment-page-1/#comment-121</link>
		<dc:creator>Marcel Hänggi</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2008 16:39:40 +0000</pubDate>
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		<description>Also, Mathis, da ich dir den Ball zugespielt habe, will ich antworten. Natürlich hast du recht: Niemand kann beweisen, dass die Aussage «Wer eine Studie finanziert, nimmt immer Einfluss» stimmt. «Immer» und «nie» gibt es nicht. Aber es gibt doch zahlreiche Studien zum Bias in Einzelfällen. Mein liebstes Buch dazu ist immer noch Sheldon Krimsky, Science in the Private Interest (2002). Auch die Ex-Chefin des NEJM, Marcia Angell, nennt viele lustige Beispiele (zB. in The Truth about the Drug Industry). Oder Peter Kleist, Ex-Novartis, Ex-Swissmedic und heute, glaube ich, Berater, im Tagi vom 12. April 2005 («Wie gute Studien noch besser werden»). Weitere Stimmen aus der Schweiz zum Thema habe ich hier mal zusammengetragen (mit vielen Quellenangaben und Links zum selber weiterrecherchieren): http://www.mhaenggi.ch/03_Wissenschaftspolitik/artikel_wissenschaftspolitik_McScience.html
Eine grundsätzliche Überlegung: In der medizinischen Forschung ist «doppel-blind» Goldstandard. Man geht also davon aus, dass das Wissen des Arztes, ob er der Testperson Verum oder Placebo gibt, einen Einfluss auf das Testresultat haben kann. Wenn das keine völlig übertriebene Vorsichtsmaßnahme ist (und Placebostudien zeigen, dass solche Einflüsse existieren), dann ist es vernünftig anzunehmen, dass auch das Wissen um den Geldgeber und seine Erwartungen einen Einfluss haben kann.
Entscheidend, schreibst du, sei Transparenz. Richtig, aber Transparenz allein genügt nicht (dazu Hanspeter Kuhn vom FMH-Rechtsdienst: http://www.saez.ch/pdf/2002/2002-25/2002-25-511.PDF). Um die Transparenz steht&#039;s oft schlecht. Die ETH verlangt die Offenlegung von ihren Mitarbeitern, aber sie macht das nicht publik. Wär mal interessant zu sehen, ob sie die Angaben unter dem neuen Öffentlichkeitsgesetz herausrücken müsste. Da lob ich mir Leute wie Beda Stadler, der seine Interessenverbindungen im Internet offen legt.
Klar: «Industriefinanziert, folglich unbedingt industriefreundlich» ist zu einfach. Aber nach Geldgebern fragen sollte man immer. Dann stellt man auch fest, wie unglaublich unbedarft mit dem Thema oft umgegangen wird. Wenn das zentrale Projekt des NFP59, bei dem es um Biosicherheit geht, von Willem Gruissem betreut wird, der in den Boards von Syngenta, Monsanto etc. sitzt (und das sauber auf seiner Website deklariert: www.pb.ethz.ch/people/wgruisse/index  ), so ist das erst einmal problematisch. Wenn ich aber den Präsidenten der Leitungsgruppe des NFP, Dobbaelare, frage, wie die Leitungsgruppe mit möglichen Interessenkonflikten der Bewerber umgegangen sei, und er lange nach einer Antwort suchen muss, weil man sich darüber (in einem politisch so heiklen Feld!) offenbar keine Gedanken gemacht hat (www.woz.ch/artikel/inhalt/2006/nr47/Schweiz/14137.html  ), dann bin ich als Journalist wirklich lieber einmal zu skeptisch als zu gutgläubig.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Also, Mathis, da ich dir den Ball zugespielt habe, will ich antworten. Natürlich hast du recht: Niemand kann beweisen, dass die Aussage «Wer eine Studie finanziert, nimmt immer Einfluss» stimmt. «Immer» und «nie» gibt es nicht. Aber es gibt doch zahlreiche Studien zum Bias in Einzelfällen. Mein liebstes Buch dazu ist immer noch Sheldon Krimsky, Science in the Private Interest (2002). Auch die Ex-Chefin des NEJM, Marcia Angell, nennt viele lustige Beispiele (zB. in The Truth about the Drug Industry). Oder Peter Kleist, Ex-Novartis, Ex-Swissmedic und heute, glaube ich, Berater, im Tagi vom 12. April 2005 («Wie gute Studien noch besser werden»). Weitere Stimmen aus der Schweiz zum Thema habe ich hier mal zusammengetragen (mit vielen Quellenangaben und Links zum selber weiterrecherchieren): <a href="http://www.mhaenggi.ch/03_Wissenschaftspolitik/artikel_wissenschaftspolitik_McScience.html" rel="nofollow">http://www.mhaenggi.ch/03_Wissenschaftspolitik/artikel_wissenschaftspolitik_McScience.html</a><br />
Eine grundsätzliche Überlegung: In der medizinischen Forschung ist «doppel-blind» Goldstandard. Man geht also davon aus, dass das Wissen des Arztes, ob er der Testperson Verum oder Placebo gibt, einen Einfluss auf das Testresultat haben kann. Wenn das keine völlig übertriebene Vorsichtsmaßnahme ist (und Placebostudien zeigen, dass solche Einflüsse existieren), dann ist es vernünftig anzunehmen, dass auch das Wissen um den Geldgeber und seine Erwartungen einen Einfluss haben kann.<br />
Entscheidend, schreibst du, sei Transparenz. Richtig, aber Transparenz allein genügt nicht (dazu Hanspeter Kuhn vom FMH-Rechtsdienst: <a href="http://www.saez.ch/pdf/2002/2002-25/2002-25-511.PDF" rel="nofollow">http://www.saez.ch/pdf/2002/2002-25/2002-25-511.PDF</a>). Um die Transparenz steht&#8217;s oft schlecht. Die ETH verlangt die Offenlegung von ihren Mitarbeitern, aber sie macht das nicht publik. Wär mal interessant zu sehen, ob sie die Angaben unter dem neuen Öffentlichkeitsgesetz herausrücken müsste. Da lob ich mir Leute wie Beda Stadler, der seine Interessenverbindungen im Internet offen legt.<br />
Klar: «Industriefinanziert, folglich unbedingt industriefreundlich» ist zu einfach. Aber nach Geldgebern fragen sollte man immer. Dann stellt man auch fest, wie unglaublich unbedarft mit dem Thema oft umgegangen wird. Wenn das zentrale Projekt des NFP59, bei dem es um Biosicherheit geht, von Willem Gruissem betreut wird, der in den Boards von Syngenta, Monsanto etc. sitzt (und das sauber auf seiner Website deklariert: <a href="http://www.pb.ethz.ch/people/wgruisse/index" rel="nofollow">http://www.pb.ethz.ch/people/wgruisse/index</a>  ), so ist das erst einmal problematisch. Wenn ich aber den Präsidenten der Leitungsgruppe des NFP, Dobbaelare, frage, wie die Leitungsgruppe mit möglichen Interessenkonflikten der Bewerber umgegangen sei, und er lange nach einer Antwort suchen muss, weil man sich darüber (in einem politisch so heiklen Feld!) offenbar keine Gedanken gemacht hat (www.woz.ch/artikel/inhalt/2006/nr47/Schweiz/14137.html  ), dann bin ich als Journalist wirklich lieber einmal zu skeptisch als zu gutgläubig.</p>
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