Gesünder essen – in Zeiten verbreiteter Fettleibigkeit ein sinnvolles Postulat. Doch wer soll diese Botschaft der Bevölkerung beibringen? Den Ärzten und anderem Medizinpersonal ist es bisher nicht gelungen, via Medien (sprich auch Wissenschaftsjournalisten) dem Junkfood den Garaus zu machen. Und jetzt kommt noch Starkoch Ferran Adrià und schwärmt in einem Interview mit dem britischen Independent (5.11.08) für den derzeit medial gebeutelten Hamburger von Mc Donald’s. Dies wiederum motivierte den Gastrokritiker des Tages-Anzeigers zu einem moralinsauren Kommentar: “Der Blödsinn des Meisterkochs” (20.11.08). Aber hallo, eigentlich macht der Maestro der Molekularküche der Welt vor, wer das Sagen hat - notabene ein wissenschaftlich werkelnder Erfolgsmann, sein Restaurant El Bulli bei Barcelona ist auf Jahre ausgebucht. Warum also nicht die renommierten Chefköche einspannen, um relevante Forschungsresultate aus Medizin, Pharmazie und andern Lebenswissenschaften zu vermitteln? Medienschaffende mit Wissenschaftsthemen sollten daher als Sprachrohr besser Philippe Rochat (Crissier VD) oder Andreas Caminada (Schauenstein, Fürstenau GR) als weitgehend anonyme Forschende einsetzen. Wer kennt schon all die Profs in den sterilen Labors von ETH und Unis? Bald gilt es zudem, den Genuss von Cholesterinsenkern auch gesunden Leuten schmackhaft zu machen (TA, 26.11.08) - eine harte Nuss. Hier sind jedoch Jamie Oliver (bereits im Schlankkoch-Geschäft) und Ferran Adrià (noch zu bearbeiten) gefordert. Die beiden publizitätsgewandten Kulinariker werden auch diese gastro-medizinische Herausforderung meistern. Nur: Selbst für ein kurzes Zitat sind sie wohl extrem schwierig zu erreichen.
Nov 27th, 2008 by Mediensplitter - Beat Gerber | 1 Comment »
Eine Antwort auf “Mediensplitter (2): Spitzenköche als sinnliche Wissenschaftsvermittler”
Einverstanden?
- Lungenkrebs Symptomen bei Science-Bar in Zürich: Impfen – ja oder nein? Glaubenskrieg oder Ernstfall?
- BaZ-Briefkastenmode | Journalistenschredder bei Kampf der Diskussionskulturen
- Mathis bei Mediensplitter (15): Gloggers verpasste Marathon-Medaille
- Peter Wolff bei Mediensplitter (14): Totengräber der redlichen Wissenschaft (in BaZ und WW)
- Florian Fisch bei Mediensplitter (14): Totengräber der redlichen Wissenschaft (in BaZ und WW)
Frische Kommentare
Autoren
Verpackt
Artikelarchiv
Nützt leider alles nichts. Wie der gerade publizierte Gesundheitsbericht zeigt, sind es vor allem schlechte Bildung, tiefes Einkommen und andere wirtschaftliche und soziale Faktoren, die zur Fettleibigkeit führen. Bei Rochat und Caminada verkehrt ein Publikum mit unterdurchschnittlichem BMI. Also: Die Beste Fettreduktionspille wäre vielleicht eine Lohnverdoppelung für alle.