Wenn man, wie ich, schon eine schöne Zeit lang sein Geld mit dem Vergnügen verdient, wissenschaftliche Erkenntnisse unter das Volk der andern Laien zu bringen, dann kommt man irgendwann mal in Versuchung, sich heimlich einfach gut zu finden. Bestätigt durch die Begegnungen mit den Empfängerinnen und Empfängern meiner Werke, die dann jeweils freundlicherweise sagen “ich lese immer, was Du/Sie schreibst (schreiben)” oder ähnliche schmeichelhafte Dinge von sich geben, glaubte ich mich durchaus in einer guten Liga zu befinden.
Bis kürzlich das mit dem Knopf geschah.
Da wollte ich einem mir verwandschaftlich nahe stehenden jungen Mann von 25 Jahren, der trotz umfassender Bildungsbestrebungen seiner Eltern auch mit 25 Jahren noch nicht mit allen Errungenschaften der Zivilisation vertraut war, am Telefon erklären, wie man einen Krawattenknopf bindet. Ich hab also angesetzt mit “nimm den breiten Teil links, den schmalen rechts und zwar so…” etc. Und bei jedem Anlauf hiess es von der anderen Seite “das ergibt keinen Knopf”. Die Kunst des Vermittelns komplexer Vorgänge in einfachen Worten hatte total versagt. Ich hatte als Sender den Empfänger nicht erreicht.
Nun wirst Du natürlich sagen, es hängt auch mit dem Bildungsstand des Empfängers zusammen, dass die Botschaft nicht verstanden wird. Aber grundsätzlich muss ja ich mich einstellen und die richtigen Begriffe finden. Vielleicht hätte ich Begriffe wie sagittal oder dorsoventral verwenden müssen. Denn der Knopf wurde für eine Diplomübergabe benötigt, mein Klient hatte ein medizinisches Staatsexamen mit beachtlich guten Noten bestanden.
Damit ist auch klar, dass er vor einigen Jahren die berühmte schweizerische Eignungsprüfung bestanden hat, die unter anderem zur Aufgabe stellt, sich verworrene Schnurklüngel von allen Seiten vorstellen zu können. (Eine Fähigkeit, die jeder Arzt ja unbedingt braucht, wenn er mit seinen Patienten und Patientinnen mitfühlend und kompetent umgehen will und die leider manchem älteren Medizinerjahrgang schmerzlich fehlt, weil er noch ohne Prüfung einfach so ins Medizinstudium gerutscht ist.) Das heisst, es muss an mir gelegen haben (es gibt ja auch keine Eignungsprüfungen für Journalisten).
Jetzt lieg ich nachts wach, aufgeschreckt durch böse Träume, wo Scharen von aufgebrachten Leserinnen und Lesern – meine Werke in der Hand – mir zurufen: “Das gibt keinen Knopf!”
Die Sache ist dann doch gut ausgegangen, dank dem Internet. Auch nach dem Krawattenknopf kann man googeln und findet dann zielführende Anleitungen wie etwa die da, aus der auch die Abbildung stammt.



