Vollgepackt mit Ideen und Visionen – und doch nicht viel Neues an der 11. Architektur-Biennale in Venedig. Das Thema ist „Architecture Beyond Buildings“.
Nun ist es ja tatsächlich schwierig Architektur auszustellen. In ein Kunstmuseum gehen wir, um Originale zu sehen. Diese sind in der Architektur meist etwas unhandlich. In vielen Pavillons flüchten sich die Aussteller deshalb in architektonisch angehauchte Kunst. In Israel sieht man in einer Animation, wie unsere Städte zu Geschichte werden (Bild 1). Italien zeigt die vernetzte Wohnung – wenn der Stuhl mit dem Kühlschrank spricht (Bild 2). Deutschland dagegen sucht nach dem Update und zeigt – leider mit herzlich wenig Erklärung – Dutzende von wissenschaftlichen, architektonischen und künstlerischen Projekten. Toll ist das „Technical Paradise“ von Ton Matton – Apfelbäume mit Infusion (Bild 3).
China ruft mutig dazu auf, auch die sowjetischen Bauten als historisches Erbe zu betrachten und zu erhalten – optisch brilliant umgesetzt in der alten Schiffswerft Venedigs, im Arsenale, zwischen historischen Petroleumtanks (Bild 4). In Russland tobt der Kampf der internationalen Architekturbüros um die Prestigebauten; im Pavillon inszeniert als Schachspiel. Witzig der Kommentar: Sie hätten in den vergangenen Jahren an der Biennale immer nur Visionen präsentiert, weil die realen Bauten einfach zu peinlich seien.
Dänemark setzt dagegen auf nackte Information (was mir gut gefällt) und greift mit „ecotopedia“ ein zentrales Thema der Biennale auf, die nachhaltige Stadt, die nicht mehr die Ressourcen der Welt frisst, sondern in der alles in Kreisläufen funktioniert. Da dies nicht so einfach ist, hat das Dänische Architekten Zentrum die Website Sustainable Cities kreiert, als Projekt-Datenbank, Blog und Forum zugleich (lohnt sich).
Glücklicherweise ist Nachhaltigkeit graduell. Als ersten Schritt empfehlen die interviewten Nachhaltigkeits-Promis (auch Mathis Wackernagel): Befreit die Städte von ihrer Autoabhängigkeit und baut sie für Velofahrerinnen und Fussgänger! Velofreundliche Städte schneiden ökologisch gut ab, bieten mehr Lebensraum und –qualität (bessere Luft, weniger Lärm) und fördern die Gesundheit ihrer EinwohnerInnen. Banal und überzeugend. Und in der Schweiz kriegen wir StimmbürgerInnen genau dies von umverkehR auf dem Silbertablar serviert: die Städte-Initiative. Wir müssen nur noch Ja sagen.





